Das geheime Leben der Pflanzen

Das geheime Leben der Pflanzen

Wie Pflanzen kommunizieren

Es scheint so, dass Pflanzen im Spiel der Evolution die schlechtesten Karten gezogen haben. Ohne Gefühle und ohne Intelligenz scheinen sie nur dazustehen und darauf zu warten, dass sie zu Nahrung für Tier oder Mensch werden. Stimmt nicht, sagen moderne Biologen. Pflanzen können Gefühle zeigen, Gefahren erkennen und kluge Taktiken gegen Angreifer entwickeln.

Besondere Schutzmechanismen von Pflanzen kann man bei Maispflanzen erkennen. Ist der Bauer nicht achtsam und hält eine bestimmte Fruchtfolge ein, schafft er ein ideales Milieu für den Maiswurzelbohrer. Hierbei handelt es sich um einen Käfer, der seine Eier in den Boden ablegt. Aus den ca. 500 abgelegten Eiern pro Käferweibchen werden Larven, die unter der Erde leben und die Wurzeln des Mais "anbohren". Ursprünglich war der Käfer nur in Nordamerika beheimatet, er breitete sich aber nach Europa aus und richtet immensen Schaden an, allein in Österreich rechnet man mit 75 Millionen Euro Schaden jährlich. Die Antwort der chemischen Industrie lautet: Einsatz von Giftstoffen. Die Maispflanzen müssen gespritzt werden, bevor die Eier in den Boden abgelegt werden, sonst ist es zu spät. Was aber macht eine Pflanze, wenn sie befallen ist? Kann sie sich nicht selbst gegen die gefräßige Larve zur Wehr setzen? Doch, sie kann! Verletzte Wurzeln produzieren, kurz nach ihrer Verletzung, ein Gas mit dem Namen Caryophyllen. Dieses Gas dringt durch den Boden und lockt natürliche Feinde der Maiswurzelbohrerlarven an. Es handelt sich dabei um Fadenwürmer, die zu Hunderten zu der verletzten Wurzel strömen, die Larven befallen und von innen her den Feind der Pflanze vernichten. Leider haben die neuen, speziell gezüchteten Maispflanzen diese Fähigkeit nicht mehr. Wissenschaftler nennen sie "stumme" Pflanzen, weil sie keinen Hilferuf mehr aussenden können. Da hilft dann nur mehr Gift. Monsanto freut sich und reibt sich die Hände.

Obwohl Pflanzen uns hauptsächlich mit ihren Anteilen über dem Erdboden erfreuen, zeigt auch das Wurzelreich ausgesprochen erstaunliche Fähigkeiten. Die Wurzeln graben sich forschend durch das Erdreich, dabei ist die Wurzelspitze sensibler als jede Feinschmeckerzunge. Auch die Länge der Wurzeln ist beeindruckend. Man konnte an einer einzigen Roggenpflanze über 13 Millionen Würzelchen zählen, die gemeinsam eine Gesamtlänge von 600 Kilometern ergaben. An jedem Würzelchen wachsen feine Wurzelhärchen, schätzungsweise 14 Milliarden, mit einer Gesamtlänge von 10.600 Kilometern. Damit die Wurzeln auch wirklich nach unten wachsen, bedienen sich manche Pflanzen Techniken, die uns die Pflanze intelligent erscheinen lassen. Die Armleuchter Alge, eine Wasserpflanze, lagert kleine Steinchen in die Wurzelzelle. Diese Steinchen folgen natürlich der Schwerkraft und zeigen so der Wurzel den sicheren Weg nach unten.

Es gibt hunderte, ja tausende von Beispielen über das geheime Leben der Pflanzen und ihre Tricks, die sie entwickeln mussten, um auf der Erde zu überleben. Akazien in Afrika zum Beispiel wehren sich gegen Fressfeinde dadurch, dass sie einen ganz bestimmten Duftstoff aussenden: Äthylen. Wird eine Pflanze befallen, dann steigt der Äthylengehalt in ihren Blättern um das 2,5 fache. Dies dient zur Warnung für die Nachbarpflanzen. In diesem Abwehrmechanismus haben Wissenschaftler auch den Sinn erkannt, warum z.B.: Giraffen immer nur kurz bei einer Pflanze verweilen und dann, gegen die Windrichtung, weiterziehen. Frisst ein Tier zu viel von den Blättern mit hohem Äthylengehalt, verendet es.

Man hat errechnet, dass alle Pflanzen der Erde jährlich weltweit eine Milliarde Tonnen flüchtiger Duftstoffe freisetzen. Diese Duftstoffe dienen zur Warnung vor Gefahr, aber auch zur Vermehrung. Ihre Botschaften richten sich an Artgenossen und an Insekten, mit denen Pflanzen ein besonders nahes Verhältnis haben. Pflanzen sind die eigentlichen Regenten auf dieser Erde. Ihnen bleibt es vorbehalten, aus Sonnenlicht Energie zu gewinnen, Sauerstoff zu produzieren, prächtige Farben zu entwickeln, Mineralstoffe aus der Erde in für den Menschen verwertbare Verbindungen zu bringen, aber auch Wunden und Krankheiten zu heilen.

Neben allen anderen wunderbaren Fähigkeiten können Pflanzen Ordnung aus Unordnung schaffen. Sie brauchen dazu nur Licht, Wasser und einen gesunden Nährboden. In der Sprache der modernen Physik nennt man diese Fähigkeit "Negentropie". Sie ist der eigentliche Motor der Evolution. Es gibt keine einzige Pflanze, die auf dieser Welt Unordnung schafft, Bezeichnungen wie "Unkraut" sind rein willkürlich und vom Menschen erdacht.

Wenn die Menschheit weiterhin aber das Wasser, die Böden und die Luft verpestet, wenn wir weiter versuchen Gene zu manipulieren und damit den Pflanzen wichtige Eigenschaften zum Überleben nehmen, dann entziehen wir uns selbst unsere Existenzgrundlage auf diesem Planeten. Indem wir die Pflanzen töten, töten wir uns selbst.

Laut dem Österreichischen Umweltbundesamt sind bereits 1,2 % der heimischen Pflanzen für immer verschwunden, 33,4 % gelten als hoch gefährdet. Obwohl die Zahlen offiziell und jederzeit im Internet abrufbar sind, arbeitet die EU in Brüssel immer härter gegen die Interessen der Bürger und dies auf Grund des Drucks der pharmazeutischen Industrie. Im Jahr 1960 gab es noch ca. 80.000 Naturheilmittel im Handel, 2001 waren es nur mehr 5.000, jetzt dürften es unter 1.000 sein. Weltweit verschwinden jedes Jahr hunderte von Pflanzenarten für immer, bevor sie vom Menschen überhaupt entdeckt wurden.

Es liegt in unserer Hand, uns gegen die Zerstörung der Umwelt zur Wehr zu setzen. Wir haben den Auftrag achtsam mit der Natur umzugehen, ihren besonderen Zauber zu erkennen und ihn für uns zu nutzen. Pflanzen bilden die Lebensgrundlage der ganzen Menschheit, sie wohnten auf der Erde schon lange bevor es die Menschen gab und es kann sein, dass sie uns auch überleben werden.

Buchtipps

Joseph Scheppach: Das geheime Bewusstsein der Pflanzen (ISBN: 978-3-426-27476-7)

Gregory Bateson: Geist und Natur (ISBN: 978-3-518-28291-5)

Herzlichst,

Dr. med. Michael Ehrenberger

1 Kommentar

  1. Karin Schmiedbauer sagt:

    Pflanzen haben auch ein Gedächtnis.Viele Pflanzen produzieren nämlich chemische Substanzen, um Angreifer abzuwehren und einige erinnern sich sogar an den Angriff, so dass sie bei einem erneuten Überfall die giftigen Abwehrmittel schneller erzeugen können. Dazu ein Beispiel:“Eine Raupe, die an einem Tabakblatt nagt, löst die Herstellung von Jasmonsäure aus, die zu den Wurzeln wandert.Dadurch wiederum wird die Produktion von Nikotin in Gang gesetzt, das zu den Blättern zurückkehrt und dem Schädling den Appetit verdirbt. Pflanzen, deren Wurzeln der Säure schon einmal ausgesetzt waren, reagierten schneller auf Angriffe.“ Das zeigt, dass Pflanzen ein Gedächtnis haben.
    (Quelle: Zeitschrift New Scientist)
    Gehen wir liebevoll und achtsam mit Pflanzen um!

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